Handbuch Therapeutisierung und Soziale Arbeit, 1st Edition by Roland Anhorn, Marcus Balzereit (eds.)

By Roland Anhorn, Marcus Balzereit (eds.)

Ziel des Handbuchs ist es, den gesellschaftlichen Prozess der Therapeutisierung kritisch zu reflektieren und dessen Ursachen und Folgen für die Soziale Arbeit zu analysieren. Therapeutische Perspektiven und Praktiken bestimmen in zunehmendem Maße die gesellschaftliche Wahrnehmung und „Bearbeitung“ von politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Konflikt- und Ungleichheitsverhältnissen – mit der sichtbaren Wirkung einer zunehmenden Individualisierung und Entpolitisierung von gesellschaftlich bedingten Interessenskonflikten und strukturellen Widersprüchen. Klassische Angebote und Verfahren „therapeutisierender“ Sinndeutungen und kurativer Interventionen, die ursprünglich auf spezifische institutionelle Settings und die professionelle Beziehung von Therapeut_in und Patient_in beschränkt waren, haben mittlerweile nahezu alle gesellschaftlichen Sphären, Institutionen, Politikbereiche, (Berufs-)Rollen, Identitätskonstruktionen und privaten Beziehungen durchdrungen. Neben der Schule, (Lohn-)Arbeitsverhältnissen, Kriegen, Naturkatastrophen, Kriminal-, Sozial- und Gesundheitspolitik ist auch die Soziale Arbeit in den Prozess einer umfassenden Therapeutisierung sozialer Verhältnis se involviert, und zwar als eine die Verallgemeinerung und Veralltäglichung der „therapeutischen Perspektive“ nicht nur passiv „erleidende“, sondern maßgeblich auch aktiv vorantreibende und gestaltende Kraft.

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Ingenkamp 2012, und Ingenkamp in diesem Band; McGee 2005; Kaminer 1992; zur Frauenbewegung, vgl. McGee 2005, und vor allem Becker 2005, die als einen der (Neben-)Effekte des Aufstiegs der zweiten Frauenbewegung konstatiert: » The culture of the therapeutic is a culture of individualisms that is inceasingly becoming a woman’s culture, […]. « (S. ); zur Rolle der Neuen Sozialen Bewegungen und dem linksalternativen Milieu bei der Veralltäglichung psychologisch-therapeutischer » Problembearbeitungen « und die sukzessive Verdrängung einer (klassen-) politischen Linken durch eine » Lebensstil-Linke « (Frank [2005, S.

Kapitel 3). Nicht zuletzt im Gefolge der OttawaCharta (1986), die im Sinne der WHO Gesundheit als » umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden « definiert, hat die Vorstellung einer aktiven Herstellung von (immer mehr) Gesundheit in diversen Konzepten insbesondere der Gesundheitsförderung, der Salutogenese, der Resilienzforschung, etc. Eingang gefunden und ist unter der einprägsamen Formel, wonach Gesundheit mehr als die Abwesenheit von Krankheit darstellt, mittlerweile zum Fixpunkt gesundheitswissenschaftlicher und -politischer Orientierungen und nicht zuletzt im Alltagsbewusstein geworden.

Dessen ungeachtet schlägt sich diese analytisch gebotene und den unterschiedlichen » Logiken « geschuldete Differenzierung insbesondere in der anwendungsorientierten Literatur (z. B. zur Gesundheitsförderung und Prävention) gewöhnlich nicht nieder (vgl. aber Seligman 2015, S. ). Vielmehr wird mit der relativen Unbekümmertheit eines als » Praxistauglichkeit « ausgegebenen Pragmatismus regelmäßig unterstellt, dass sich (physische und psychische) Krankheit und Gesundheit auf einem Kontinuum bewegen, das zwar vielfältige graduelle Abstufungen, aber keine qualitativen Brüche und Differenzen kennt (vgl.

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